Detlef Lüder, Thomas Kliem und Stefan Friedland, drei von Deutschlands Top – Finanzberatern, auf WhoFinance von Verbrauchern unabhängig bewertet, geben wichtige und aktuelle Tipps, die Verbraucher bei der Immobilienfinanzierung beachten sollten.

WhoFinance:
Wie empfehlenswert ist es, in der Krise eine Immobilie zu erwerben?
Detlef Lüder:
„Für Haushalte ist es besonders jetzt empfehlenswert, eine Immobilie zu erwerben, da die Zinsen aktuell mit durchschnittlich 3,75% nominal bei 10 Jahren Zinsfestschreibung besonders günstig sind.“
Thomas Kliem:
„Eine Immobilie ist eine sichere Kapitalanlage. Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die eigene Immobilie macht einen unabhängig von einem Vermieter. Die Immobilie ist ein klassischer Sachwert. Auch wenn das Gebäude eine befristete „Lebenszeit“ hat bzw. von Zeit zu Zeit Reparaturen und Modernisierungen notwendig werden, so hat doch der Grund und Boden immer seine Wertbeständigkeit. Im Rahmen einer Risikostreuung und zur Vermeidung der negativen Auswirkungen einer Inflation ist der Erwerb einer Immobilie – gerade in Krisenzeiten – empfehlenswert.“
Stefan Friedland:
„Auf jeden Fall ist es sinnvoll – gerade in Krisenzeiten – eine Immobilie zu erwerben. Voraussetzung ist natürlich eine gute Substanz und Werthaltigkeit. Bei Immobilien handelt es sich schließlich um Sachwerte, die i.d.R. einen geringeren Wertverlust haben. Außerdem haben wir in Deutschland wieder sehr niedrige Zinsen, die bewirken, dass der monatliche Aufwand für die Finanzierung einer Immobilie für viele tragbar ist. Auch die Mieten werden längerfristig nicht auf dem jetzigen Niveau bleiben.“
WhoFinance:
Was sind die aktuellen Risiken bei der Finanzierung einer Immobilie?
Detlef Lüder:
„Die größte Gefahr besteht sicherlich darin, Darlehen auf Dauer nicht bedienen zu können. Gründe dafür liegen meistens in finanziellen Problemen, langer Krankheit, und Berufsunfähigkeit.“
Thomas Kliem:
„Der Erwerb einer Immobilie ist in den meisten Fällen mit der Aufnahme eines hohen Bankdarlehens und damit einhergehenden Belastungen verbunden. Da die meisten Menschen von ihrem Erwerbseinkommen leben, ist der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Arbeitskraft ein leider häufig unterschätztes Risiko. Vorhandene Absicherungsmöglichkeiten sollten geprüft werden. Ein weiteres Risiko ist es, einen zu hohen Kaufpreis zu bezahlen. Unerfahrene Immobilienkäufer lassen sich leider all zu oft von ihren Gefühlen leiten und verlieren dabei die Realität aus den Augen. Bei Immobilien, die zu Weitervermietung gedacht sind, ist natürlich auch das Leerstandsrisiko zu beachten.“
Stefan Friedland:
„Die Risiken sind glücklicherweise absolut begrenzt. Vor allem, wenn das richtige Verhältnis zwischen verfügbarem Einkommen und monatlichem Aufwand für die Finanzierung gewahrt wird. Als Faustformel gilt, der monatliche Aufwand sollte nicht mehr als 40% des verfügbaren monatlichen Nettoeinkommens betragen. Und selbst für das Risiko einer z.B. späteren Arbeitslosigkeit gibt es derzeit interessante Absicherungsmöglichkeiten.“
WhoFinance:
Was sind die häufigsten Fehler, die bei einer Immobilienfinanzierung gemacht werden?
Detlef Lüder:
„Größter Fehler wäre es, nur die Hausbank oder ausschließlich einseitig und gebundene Berater zu befragen. Auch eine schlechte Vorbereitung über die eigene finanzielle Situation ist ein häufiger Fehler. Verbraucher vergessen oft an die privaten Darlehen oder weitere Vermögenswerte des Haushaltes zu denken.“
Thomas Kliem:
„Manche Immobilienkäufer überschätzen die eigenen finanziellen Möglichkeiten. Es werden daher zu hohe monatliche Verpflichtungen (Ratenzahlung an die Bank) eingegangen. Kommt es unerwartet zu Schicksalsschlägen wie Tod des Partners, schwerer Krankheit oder Arbeitsplatzverlust, stehen diese Immobilienerwerber schnell vor dem Ruin. Gerne werden auch die tatsächlichen Kosten unterschätztz. Neben den Kosten für Grundstück und Haus werden leider gerne die Kosten für Außenanlagen und Anschluss-, Leitungs- oder Erschließungskosten vergessen. Auch der Kauf einer Immobilie ohne Eigenkapital sollte gut überlegt sein. Neben schlechteren Zinsen besteht auch die Gefahr, höhere Schulden zu haben als die Immobilie wert ist.“
Stefan Friedland:
„Nach einer Studie bestätigen 70% aller Neubaukunden, dass der Finanzierungsbedarf nicht ausgereicht hat. Hier werden u.a. sehr häufig entstehende Nebenkosten unterschätzt. Aber auch beim Erwerb von Bestandsimmobilien werden wirklich notwendige Modernisierungsmaßnahmen zu knapp kalkuliert. Außerdem besteht aus Unkenntnis der Materie ein häufiger Fehler das Zinsänderungsrisiko bei geringer Tilgung zu übersehen. Das bedeutet in vielen Fällen, dass nach Ablauf der Zinsbindungszeit unerwartete Belastungssprünge auftreten können.“
WhoFinance:
Welche Vorteile hat es, eine Immobilienfinanzierung nicht über eine Bank, sondern über einen unabhängigen Berater abzuschließen?
Detlef Lüder:
„Unabhängige und kompetente Berater können Lösungen mit zum Teil Sonderkonditionen und Sondermodalitäten aufgrund Geschäftsvolumen und Netzwerken anbieten. Außerdem haben Sie flexiblere Beratungs- und Besprechungszeiten. Im Vergleich zu einer Bank haben freie Berater ein höheres Interesse am Mitmenschen da dieser im Vordergrund steht als Geschäftspartner und weiterer Empfehlungsgeber und nicht die Bankprodukte als das Maß des Ergebnisses anzusehen.“
Thomas Kliem:
„Ein erfahrener unabhängiger Berater kennt den Markt und kann unter vielen verschiedenen Anbietern für seinen Kunden den geeigneten Finanzierer (Bank, Bausparkasse oder Versicherungsunternehmen) auswählen. Dadurch werden für den Kunden günstige Konditionen erzielt. Ein erfahrener unabhängiger Berater gibt zudem Hinweise und Anregungen, die ein Bankangestellter möglicherweise nicht geben kann oder geben darf. Er ist im Idealfall nicht nur Vermittler, sondern auch Coach.“
Stefan Friedland:
„Nach wie vor, bieten die meisten Banken nur ihre eigenen Produkte an. Gut ausgebildete und unabhängige Berater sind in der Lage Finanzierungsmodelle und Konditionen von z.B. über 70 verschiedenen Banken auszuwählen. Ein freier Berater hat übrigens auch am späten Abend für Beratungen Zeit, wenn die Kinder im Bett sind und teils sogar auch am Wochenende.
Übrigens gibt es in Deutschland bereits ca. 20 unabhängige Berater, die durch den TÜV-Süd das begehrte Zertifikat: „TÜV-geprüfte Immobilienfinanzierung“ verwenden dürfen. Bei dieser Zertifizierung wird die Beratung nach vier Kriterien durchleuchtet:
• die Qualität der Finanzierungs- und Beratungsprozesse
• die Qualität der Beratung
• die Kommunikation mit dem Kunden
• die Qualifikation der Mitarbeiter.“